Ein Extratopf für Königs-Runden

Sie hat einen schönen Ehrenplatz an der Wand im Esszimmer – die Königskette, die sich Jan-Dieter Borchers vor knapp einem Jahr als bester Schütze verdient hat. „Ich habe 27 Ringe geschossen“, erinnert sich der 32-Jährige an das Königsschießen beim Schützenfest. Er sei schon ein sicherer Schütze und habe es durchaus angepeilt, ein gutes Ergebnis zu erzielen, doch „gerade, wenn man es besonders gut machen will, kommt die Nervosität durch“, erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Jan-Dieter Borchers ist seit 22 Jahren Mitglied im Schützenverein Godensholt. 1995 trat er ein – als Zehnjähriger. „Meine Eltern waren im Schützenverein und ich hatte ebenfalls Interesse“, so der Metallbaumeister, der mit seiner Lebensgefährtin Miriam Sassen und der gemeinsamen Tochter Anni (15 Monate) in Godensholt wohnt.

Erfahrung als König hat Jan-Dieter Borchers schon früh gesammelt, denn er war je einmal Jugend- und Juniorenkönig. „Es ist schon reizvoll, als Schützenkönig vorne zu stehen und alle sind dabei – von jung bis alt. Der Schützenverein Godensholt ist ein großer und erfolgreicher Verein. Es macht viel Spaß.“ Zudem habe er mit Henning Hinrichs und Markus Ahlhorn sehr gute Adjutanten. „Die haben die meiste Arbeit während dieser Zeit. Es klappt sehr gut. Die beiden sind tolle Adjutanten, wir haben ein sehr gutes Jahr verbracht.“ Adjutanten sind quasi die Gehilfen des Königs. Sie müssen beispielsweise auf Schützenfesten von den Kameraden Geld einsammeln und auch mal Schnaps ausschenken.

Das Trio Borchers, Hinrichs, Ahlhorn hatte in den vergangenen zwölf Monaten zahlreiche Verpflichtungen. „Es sind gut ein Dutzend Schützenbälle und sonstige Veranstaltungen und etwa sechs Termine zum Mitmarschieren“, zählt Jan-Dieter Borchers auf. In den Monaten Mai und Juni seien die meisten Veranstaltungen. Lebensgefährtin Miriam Sassen repräsentiert ebenfalls den Schießsport und den Verein. Derzeit ist sie Kaiserin, Damenkönigin war sie 2014. Wenn das Paar nun seinen Verpflichtungen nachkommt, ist es, was Tochter Anni angeht, auf familiäre Hilfe angewiesen. „Das klappt sehr gut, und dafür sind wir dankbar“, sagt Miriam.

Was kostet es eigentlich, Schützenkönig zu sein? „Das ist erschwinglich“, weiß Borchers. Man bekomme vom Verein eine Pauschale sowie Geld aus einer vereinseigenen „Versicherung“. Auf Veranstaltungen würden auch die Kollegen mit zahlen. Keiner sei gezwungen, viel auszugeben. Alles sei im persönlichen Ermessen. „Es ist keiner böse, wenn man mal keine Runde ausgibt.“

Als Kleidung brauche man Jacke, Schlips und Hut: „Das schafft man sich einmalig an. Solange sich das Gewicht nicht übermäßig verändert, passt es lange“, erzählt Borchers lachend. Ein weißes Hemd, schwarze Hose und Schuhe habe eigentlich jeder. Die Gewehre stelle – ganz nach Wunsch – der Verein zur Verfügung.

Das Schützenfest in Godensholt habe eine lange Tradition und sei ein großes Dorfereignis. „Da trifft sich das ganze Dorf und Jung und Alt sind zusammen. Das ist generationsübergreifend. Es ist ein toller Zusammenhalt bei uns.“

Erschienen in der Nordwestzeitung vom 01.08.2017, verfasst von Hildburg Lohmüller

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